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Kleine Geschichte der Familienbildung

 
Mit der Industrialisierung fängt es an
Die Familienbildung hat in Deutschland tatsächlich eine lange Tradition. Ihre Anfänge gehen bis zum Beginn der Industrialisierung im frühen 19. Jahrhundert zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhält die Familienbildung dann als Elternbildung einen institutionellen Rahmen.

1917 gründet Luise Lampert in Stuttgart die erste "Mütterschule". In ganz Deutschland entstehen in der Weimarer Republik bis 1933 weitere 37 Mütterschulen und Mütterberatungsstellen. Vor dem Hintergrund hoher Säuglings- und Müttersterblichkeit, unzureichender Hygiene sowie schlechter Wohn- und Arbeitsverhältnisse werden Müttern in diesen Schulen Kenntrnisse in Säuglingspflege, Hygiene und Ernährung vermittelt, dazu wichtige praktische Fertigkeiten wie Nähen und Kochen.

Vorübergehend kommen die Väter in den Blick
Die 1919 in Berlin gegründeten Elternschulen wenden sich erstmalig auch an die Väter. Weit über die üblichen Programme zur Säuglings- und Kinderpflege hinaus umfasst das Angebot nun auch verschiedene pädagogische Themen.
Ab 1933 werden die bestehenden Institutionen der Familienbildung in den "Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk" überführt und von der NS-Ideologie mißbraucht. In dieser Zeit richten sich die Angebote wieder ausschließlich an die Mütter und Frauen. In München entsteht die erste Mütterschule in Trägerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nach dem ersten Weltkrieg. 1949 gründet sich die "Fabi"  neu zu ihrer jetzigen Form.

Neuanfang nach 1945
Einrichtungen der Elternbildung gründen sich wieder oder neu, und zwar mit den freien Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen und den Kommunen als Träger. Die ersten Angebote gibt es schon 1946 wieder. Zu dieser Zeit wird Elternbildung als Bildungs- und Beratungsangebot für Eltern verstanden, die eine "normale Erziehung" nicht gewährleisten können.
Nach Überwindung der Nachkriegs-Notzeit wandelt sich das Selbstverständnis der Mütterbildung: von der Fürsorge und Nothilfe hin zur Beschäftigung mit pädagogischen Fragen der Kindererziehung und der Gestaltung des Familienlebens. Das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung tritt gleichwertig neben die Vermittlung praktischer Kenntnisse und Fertigkeiten. Beide Ziele, die Unterstützung des Kindeswohls einerseits und die Persönlichkeitsentwicklung der Eltern andererseits, sind auch in der heutigen doppelten gesetzlichen Grundlage sichtbar: in der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Kinder- und Jugenhilfegesetz (§ 16 KJHG) und in der Erwachsenenbildung (EbFöG).

Die 68er hinterlassen ihre Spuren
Zu Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts findet ein Umbruch im Selbstverständis der Elternbildung statt. Aus der "Mütterbildung" wird "Familienbildung". Kritische Lebenskonstellationen und Schwierigkeiten von Kindern werden nicht länger als typisch für Familien in besonderen Problemlagen oder einer bestimmten Bevölkerungsschicht begriffen, sondern als kennzeichnend für die familiäre Situation schlechthin. Die Isolation der Kleinfamilie und ihre bewegungsarme Umwelt werden als Defizite der familiären Sozialisation hervorgehoben.

Der systemsiche Blickwinkel kommt zum Tragen. Theoretischer Hintergrund ist die Systemtheorie. Familien, Gruppen und Organisationen werden in ihrer Gesamtheit gesehen, gleich einem Mobile, bei dem alle Teile miteinander verbunden sind und eine Veränderung Auswirkungen auf alle anderen hat. Die Beziehungen und die Kommunikation innerhalb einer Familie werden nicht mehr linear, sondern als Wechselwirkung verstanden. In Familienberatung und Familientherapie, in der Organisationsberatung und in Managementseminaren wird systemisches Denken als Basiskompetenz gewertet und vermittelt.

Gleichzeitig wandeln sich auch die Methoden der Familienbildung. Wurde bis in die 1960er Jahre hinein die "frontale" Vermittlung praktischer Kenntnisse praktiziert, so wird seither das Miteinander- und das Voneinanderlernen der Teilnehmer/innen betont, ebenso der Erfahrungsaustausch und der gemeinsame Lernprozess von Kursleiter/in und Teilnehmer/innen.

Im 21. Jahrhundert
Angesichts gravierender gesellschaftlicher Veränderungen - wie sinkende Geburtenraten, Individualisierung, veränderte Geschlechterverhältnisse, steigende Trennungs- und Scheidungsraten, flexible und mobile Erwerbsarbeit - und, der medialen Umwelt, mit denen sich Familien auseinandersetzen müssen, geraten bisher sichernde Orientierungen ins Wanken. Familienbildungsstätten bieten Eltern und Familien vor diesem Hintergrund hilfreiche Orientierung, Unterstützung und Begleitung.

Neben der traditionellen Kleinfamilie findet Familienleben in vielfältigen und unterschiedlichen Lebensformen statt. Familienbildungsstätten orientieren sich an den veränderten Lebenslagen und Bedürfnissen der Eltern.  So gehören etwa Angebote für Alleinerziende, Information und Begleitung bei Trennung und Scheidung oder für Patchworkfamilien ganz selbstverständlich zur Palette der Veranstaltungen.

Die Bindungstheorie und die Bindungsforschung liefern elementare Erkenntnisse, die in vielfältigen Angeboten für Mütter und Väter mit Babys und Kleinkindern Eingang finden. Das wichtigste Ziel ist es, Eltern beim Aufbau einer sicheren Bindung zu ihrem Kind zu unterstützen.
Eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind trägt ganz entscheidend zur seelischen Gesundheit des Kindes bei, die sich unter anderem in einem selbstsicheren, neu- und wissbegierigen Bezug zu seiner Umwelt äußerst. Im Hinblick auf die Diskussion um eine bessere und frühere Bildung der Kinder kommt diesem Aspekt große Bedeutung bei.

Mütter kehren immer früher in die Berufstätigkeit zurück. In Familienbildungsstätten wird der frühere Wiedereinstieg ins Erwerbsleben insbesondere in der Verweildauer in Eltern-Kind-Gruppen deutlich. Blieben diese Gruppen - je nach Angebot  - oft zusammen, bis die Kinder mit drei oder vier Jahren in den Kindergarten kamen, so gehen viele Gruppen heute deutlich früher auseinander und die Fluktuation in den Gruppen wird größer.

Die Erwerbstätigkeit von Müttern bzw. beider Elternteile bringt die Notwendigkeit einer Fremdbetreuung für die Kinder mit sich. Eine sehr gute Möglichkeit dazu ist die Betreuung durch Tagesmütter. Einige Familienbildungsstätten bilden Tagesmütter aus und begleiten sie in ihrer Tätigkeit.

Familienbildungsstätten erbringen neue Serviceleistungen für Familien. Ein Beispiel dafür ist das Projekt "wellcome", in dem ehrenamtliche Mitarbeiterinnen Familien in der besonderen Situation nach der Geburt eines neuen Familienmitglieds unterstützen.
 

Aktuell

„sibe“ - Sichere Bindungsentwicklung über den Lebenslauf begleiten und fördern. Start der Kursreihe: September 2018, Anmeldung ab sofort

Eine Fortbildung für hauptamtliche pädagogische Fachkräfte und ausgewählte Kursleiter/innen aus Familienbildungsstätten, (...) mehr

„Sista“ -Ein sicherer Start ins Leben

Die Fortbildung für freiberufliche Hebammen in Bayern vermittelt grundlegende Erkenntnisse der Bindungstheorie und -forschung (...) mehr

Erfolgsmodell Eltern-Kind-Programm e. V. Stockdorf in China übernommen - EKP China

Im März 2017 eröffnete in Shanghai ein Familien-Zentrum das nach dem Konzept des Eltern-Kind-Programm - EKP - e.V. (...) mehr

Zentrum der Familie Freising - Standort Bundesmodellprogramm Starke Netzwerke - Elternbegleitung für geflüchtete Familien

Das ZENTRUM DER FAMILIE  Freising ist einer von  50 Standorten des neuen Bundesmodellprogramms starke Netzwerke (...) mehr

Safe the Date! - Fachtagung "Kindheit in der vernetzten Welt" 19./20. Jan. 2018 in München, Schloss Fürstenried

Die Geschwindigkeit und Wucht, mit der die Welt 4.0 auch Familien konfrontiert, fordert Eltern und pädagogische Fachkräfte (...) mehr

Aktuelles zur Familienpolitik - Keine Wahlfreiheit für Eltern bei der Kinderbetreuung

Ankündigung von Familienministerin Barley mehr

Aktuelles zur Familienpolitik - Ursachen von Kinderarmut

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Aktuelles zur Familienpolitik - Wahlstudie 2017

Bei einer Studie der Zeitschrift "Eltern" gaben  87 % von befragten Eltern an, dass der Druck auf die Familien (...) mehr

Integrationsprojekt - Lebenswirklichkeit in Bayern

Die drei Münchner Familienbildungsstätten - Haus der Familie - Kath. Famiienbildungsstätten, Elly  Heuss-Knapp (...) mehr

Aktuelles zur Familienpolitik

Pressemeldung des Verband Familienarbeit e. V. zu Schwesigs "Gender Care Gap" als download und ein lesenswerter (...) mehr

Manifest HALTUNG ZÄHLT

Die LAG unterstützt das Manifest "HALTUNG ZÄHLT" des BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband). (...) mehr

ifb - Elternbefragung 2015

Aufbauend auf die beiden Elternbefragungen zum Thema Familienbildung in den Jahren 2002 und 2006 führt das ifb - Staatsinstitut (...) mehr

Hoher Bekanntheitsgrad von Elternkursen

85% der Eltern von 0-3jährigen kennen örtliche Eltern-Kind-Gruppen oder Elternkurse. Es ist der höchste Bekanntheitsgrad von Angeboten im Bereich der Frühen Hilfen. Quelle: Deutschlandweite Elternbefragung des NZFH in den Jahren 2012/2013

Angebote für Flüchtlinge in Bayerischen Familienbildungsstätten

Mitgliedseinrichtungen der LAG Bayerischer Familienbildungsstätten haben auch Flüchtlingsfamilien im Blick und (...) mehr

Wichtigste Ergebnisse des Familienreports 2014

Hohe Bedeutung von Familie und Kindern Familie und Kinder stehen hoch im Kurs - inbesondere bei jungen Menschen: (...) mehr
 
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